Gedenktext

Liebe Anne Begenat-Neuschäfer, chère Anne, cara Anna, querida Ana,

unzählige Male wirst Du auf diese Weise begrüßt worden sein. Stimmen aus aller Welt, aus dem alten Europa, der Romania, aus der Wiege der Menschheit, Afrika, aus der Neuen Welt, Latinoamérica haben Dich erreicht, hast Du gelesen, hast Du gesprochen.

Wir, ton équipe, lernten uns hier in Aachen kennen, in Deinen Kursen der romanischen Literaturwissenschaft, einem Ort, der für uns zu einer Eintrittskarte in die wissenschaftliche Reflexion der Literatur wurde. So entstanden in Deinen Seminaren und Arbeitsgruppen erste gemeinsame Ideen, die später in Promotionsprojekten ihre Umsetzung fanden und die sich heute in anderen aktuellen Vorhaben weiterschreiben.

Wir haben gelernt: Texte neu zu lesen, Artikel zu verfassen, Vorträge zu halten, Projektanträge zu stellen, Publikationen vorzubereiten, übersehene Interpunktionen einzufügen, mit den Kommata zu experimentieren, um vom Semikolon – das Adorno schätzte – gar nicht zu sprechen; aber auch im Garten Erde umzugraben, zwischen Blumen und Sträuchern Obst zu ernten und – enfin et surtout – mit romanischer Gastfreundschaft willkommen geheißen zu werden – im Institut, in der Annastraße, in Gaillardbois.

Dein Alltag wurde beschwerlich: Wege wurden länger und kürzer zugleich, komplizierter, Sorgen und Schwierigkeiten vieler Art nahmen zu, Du hast Dich zurückgenommen, auch um andere nicht zu belasten. Diese Tage gehörten Dir, allein, auch Deiner Familie, die Dich begleitete.

Wir, die zurückbleiben, erinnern uns an Vieles: an Deine leuchtend strahlenden Augen, wenn Du die Literatur in ihren vielen Les- und Spielarten, in ihrer Polyphonie uns vermittelt hast, wenn die Faszination Deiner Analysen uns eingefangen und verzaubert hat – enchantés par toi.